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Tag des Türkischen Kaffee: Kaffeegenuss aus Anatolien

Schon lange bevor der Kaffee in Italien oder gar hierzulande überhaupt ankam, war er in der heutigen Türkei bereits eine Spezialität. Bis heute ist der traditionelle Türkische Kaffee bis über die Grenzen der Türkei hinaus ein beliebtes Kaffeegetränk und zählt seit 2013 sogar zu den Immateriellen Weltkulturerben der UNESCO. Auch einen eigenen Feiertag hat der Türkische Kaffee mittlerweile: Heute, am 5. Dezember, wird der Tag des Türkischen Kaffee gefeiert. In diesem Sinne, hoch die Mokkatassen!

 Das Besondere am Türkischen Kaffee

 Der Türkische Kaffee (auf Türkisch: Türk Kahvesi) ist die nach heutigem Wissensstand älteste Art und Weise, Kaffee zuzubereiten. Nicht nur in der Türkei, sondern im gesamten mittleren Osten ist der Kaffee verbreitet. Was ihn vom in Deutschland beliebten Filterkaffee oder anderen Zubereitungsweisen unterscheidet, ist, dass der Kaffeesatz mitserviert wird und sich am Boden der Tasse absetzt.

 Das für diese Zubereitung benötigte Kaffeepulver ist sehr fein gemahlen. Typischerweise wird es gemeinsam mit Zucker in einer speziellen Metallkanne mit langem Stiel (genannt Cezve) aufgekocht, bis auf der Oberfläche ein fester Schaum entsteht. Du kannst ihn selbstverständlich aber auch ungesüßt zubereiten oder bestellen. Merke dir für deinen nächsten Aufenthalt in der Türkei die folgenden Varianten:

 – Sade = ohne Zucker

– Orta = mittelsüß

– Şekerli = süß

 Durch die ausbleibende Filtration des Kaffees verleiht der feine Kaffeesatz dem Getränk seine dickflüssige, cremige Konsistenz. Häufig werden ihm zudem Gewürze wie Kardamom, Zimt oder Nelken hinzugefügt, wodurch er seine besondere orientalische Note erhält. Die Gewürze machen ihn noch dazu auch verträglicher für den Magen.

 Nach der Zubereitung in kleinen Tassen mit aufwendiger Dekoration serviert. Lass den Türkischen Kaffee zunächst etwa fünf Minuten ruhen, so dass sich der Kaffeesatz auf dem Tassenboden sammeln kann. Sobald sich in der Mitte der Schaumkrone ein Loch öffnet und der schwarze Kaffee an die Oberfläche tritt, kannst du ihn trinken.

 Ursprünglich wurde der Türkische Kaffee übrigens auf heißem Wüstensand gekocht. Heutzutage wird er natürlich eher auf modernen Herdplatten oder einem Gasherd zubereitet. Jedoch erfreut sich derzeit die Zubereitung auf glühenden Holzkohlen großer Beliebtheit.

 Wie der Kaffee in die Türkei kam

 Bereits im frühen 16. Jahrhundert gelangte der Kaffee ins Osmanische Reich. Als Sultan Selim 1517 Ägypten, Syrien und den Jemen eroberte, brachte er die bitteren Bohnen von dort mit an den Bosporus. Die Menschen in diesen Ländern haben schon einige Jahrzehnte früher mit dem Kaffeetrinken begonnen und fortan war das Getränk auch vom Hof des Sultans nicht mehr wegzudenken.

 Nur einige Jahre später eröffnete in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, das erste Kaffeehaus. Zum Ende des 16. Jahrhunderts gab es dort bereits mehr als 600 Kaffeehäuser, welchedie alltägliche

Lebenskultur der Osmanen prägten. Männer tranken in den Pavillons gemeinsam den besagten Kaffee, rauchten Wasserpfeife und entspannten zu orientalischer Musik.

Dann nahm die Kaffeetradition jedoch ein zwischenzeitliches Ende. Nachdem immer mehr Theologen aufgrund der aufputschenden Wirkung von Kaffee Zweifel an der Konformität mit dem Koran äußerten, wurde das Getränk vorerst verboten. Kaffeehäuser mussten schließen und der illegale Konsum stand unter Todesstrafe. Diese Erlässe wurden später jedoch zurückgenommen und seit der Reform von 1839 ist der Kaffeegenuss in der Türkei schließlich wieder gänzlich legal.

Letztendlich verdanken wir in Westeuropa unseren täglichen Kaffee also den Osmanen, die ihn nach Italien und von dort in das restliche Europa brachten – auch wenn sich dort die Zubereitungsweise im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Wie du Türkischen Kaffee richtig zubereitest

Wie also kannst du feinen Türkischen Kaffee auch zuhause zubereiten? Zunächst benötigst du dazu das passende, hauchfein gemahlene Kaffeepulver, am besten in Bio-Qualität. Optimalerweise verfügst du außerdem über eine spezielle Kaffeekanne -die Cezve, zum Beispiel aus Messing oder Kupfer, deren Durchmesser nach oben hin kleiner wird und die einen langen, schmalen Stiel zum Ausgießen hat. Alternativ oder zum Ausprobieren kannst du Türkischen Kaffee aber auch in einem herkömmlichen Topf kochen.

Pro Tasse benötigst du etwa 50 ml Wasser. Erhitze dies in der Kanne oder dem Topf. Sobald es siedet, gibst du Zucker hinzu. Üblich ist 1 TL Zucker für eine Tasse, je nach Geschmack kannst du aber auch mehr oder weniger verwenden. Wenn das Wasserzuckergemisch zu kochen beginnt, fügst du einen Teelöffel Kaffeepulver pro Tasse hinzu und verrührst das Ganze kräftig.

Jetzt darf der Kaffee noch zweimal aufkochen: Wenn er das erste Mal kocht, wartest du, bis der Schaum beinahe überkocht. Dann nimmst du die Kanne kurz vom Herd, gibst einen Löffel Schaum in die vorgewärmte Tasse und lässt den restlichen Schaum setzen. Dann kommt der Kaffee zurück auf den Herd. Kocht er erneut auf, gießt du ihn, ohne nochmal umzurühren, in die Tasse ein.

Traditionelle Zeremonien statt Coffee-to-go

Ein schneller Türkischer Kaffee zum Mitnehmen ist in der Türkei undenklich. Dieser spezielle Kaffee steht für feinen Kaffeegenuss und wird noch dazu gerne mit traditionellen Zeremonien verbunden. Hier unsere zwei Favoriten:

1-Das Kaffeesatz-Lesen. Dieses hatte im Osmanischen Reich feste Tradition und wird auch heute noch gerne durchgeführt, wenn auch eher zum Vergnügen und ohne Ernsthaftigkeit. Nachdem du deinen Kaffee ausgetrunken hast, legst du die Untertasse auf die leere Tasse und stülpst beides um, so dass der Kaffeesatz die Tasse verlässt. Dazu sagst du den Spruch „Nasilsa halim öyle ciksin falim” auf, was in etwa so viel bedeutet wie „Wie mein Zustand ist, so soll mein Schicksal sich zeigen“. Nach ein paar Momenten drehst du die Tasse wieder um und interpretierst mit etwas Fantasie das Muster, das sich beim Auslaufen gebildet hat.

2-Die Kaffeeprobe. Früher war es üblich, dass ein angehender Bräutigam die Familie seiner Auserwählten zum Kaffee besucht. Serviert die zukünftige Braut schmackhaften Türkischen Kaffee, ist dies ein gutes Zeichen für ihre Qualitäten als Ehefrau. Doch Achtung: Fügt sie ihrem Verehrer Salz statt Zucker in den Kaffee, äußert sie dadurch ihr Desinteresse an ihm.

Nun wünschen wir dir einen schönen Tag des Türkischen Kaffee und viel Erfolg bei der Zubereitung der klassischen, weltweit beliebten Spezialität – lass ihn dir schmecken!

Euer Kaffee Baum® Team